| NRW will IKEA-Markt verhindern |
Aus der Rheinischen Post vom 30. Januar 2007 In Köln/Butzweilerhof. Dahinter droht eine Gesetzesnovelle. Eigentlich ein schlechter Scherz, aber es ist ernst gemeint. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben und ihr Bauminister-Kollege Oliver Wittke, beide CDU, haben die Zeichen der Zeit erkannt. Zwar ungeheuer spät, aber für echte Idealisten ist es bekanntlich nie zu spät. Die Landesregierung möchte das Ladensterben in den Innenstädten aufhalten. Sie fürchtet, die Citys sterben einen langsamen sozialen Tod oder verfallen am Ende dramatisch, wenn sich das "eigentliche Leben" immer mehr auf der grünen Wiese und in Einkaufszentren aller Art abspielt. So gehe das nicht weiter, meint sie, und plant in allem Ernst und 30, 40 Jahre nach dem massiven Einsetzen der Auslagerung allen Kommerzes raus aufs Feld ein strenges Gesetz. Das macht neuen Rieseneinkaufscentern draußen vor Ort präzise Auflagen: Artikel wie Elektro, Textilien und Spielwaren werden als "zentrenrelevant" bezeichnet und sollen draußen vor Ort nur noch 10% der Gesamtverkaufsfläche solcher Einkaufszentren ausmachen. Das sind natürlich massive Eingriffe in das bislang betriebene quietschfidele Outsourcing raus aus den Citys. Irgendjemand hat das ja nun alles jahrzehntelang genehmigt. Das neue Gesetz ist Investitionslenkung im Handel, Beschränkung bislang sehr frei gehandhabter Ansiedlung, ein Schuss vor den Bug von IKEA, BAUHAUS und anderen, die sich in aller Regel blendend abstimmen und die Käufermassen an sich reißen draußen vor den Städten. Ob ein solches Gesetz an den längst eingeübten Verhaltensweisen motorisierter Konsumenten irgendetwas ändert, ist fraglich. Dass deshalb die Kunden in Zukunft in Scharen wieder in die Innenstädte strömen, äußerst unwahrscheinlich. Ich selbst halte das alles für herz zerreißendes Haltet-den-Dieb. 30, 40 Jahre genehmigte man, was sich nur genehmigen ließ. Längst siedeln sich EKZs direkt an Autobahnabfahrten an, wir kennen es doch gar nicht mehr anders. Haben uns alle dran gewöhnt, wollen es so. Die Citys haben das Wettrennen um die motorisierten Kunden verloren, nach jetziger Lage auf unabsehbare Zeit. Und ob man dem geplanten IKEA-Markt in Köln nur 4.000 qm Fläche zugesteht für sein Geschirr- und Pflanzensortiment, wie die Landesregierung es fordert, oder 5.300, wie IKEA und Stadt Köln es bereits vereinbarten, ist doch eine Fußnote im Kampf um Kundengunst und modernes Einkaufen. IKEA ist als Konzern stark genug, NRW auch mal für Jahre links liegen zu lassen. So sieht es aus. In einer händlerischen Wettbewerbswirtschaft, und die ist knallhart, entscheiden nicht regionale Regierungen, wo Kunden einkaufen. Die können ihnen nicht vorschreiben, dass sie gefälligst in Zentren zu strömen haben. Sie denken gar nicht daran. Der Kampf um das auto-gerechte Einkaufen, ich habe mir erlaubt, das die Länge und die Breite in einem Dreiteiler hier darzustellen, ist historisch gelaufen. Alles andere ist Katzenjammer, Sozial- und Kommunalnostalgie, reaktionäre Denke und von unserer Realität so weit weg, wie der nächste IKEA-Laden von, sagen wir, Viersen-City. Donna Quichotta Thoben und Sancho Pansa Wittke, meine heimliche Sympathie ist mit euch, denn ich weine hier und da auch über die sterbenden alten Innenstädte. Bin auch so'n klammheimlicher Kommunalromantiker und spür manchmal besorgt nach, wo's denn jetzt wieder weggebrochen ist hier und da und dort in den Einkaufszeilen unserer Gemeinden. Aber ich sag euch was: es geht den meisten unserer Mitbürger am verlängerten Rücken vorbei. Vollkommen, glaubt mir. Und euer Kampf gegen IKEAs himmelhohe Pylone wird noch bös enden. |